NETZWERK-EXPERTISE
FAQ zur CORONA-KRISE

GEBÜNDELTES KNOW-HOW ZU DEN HÄUFIGSTEN FRAGEN
Die Corona Krise stellt für jedermann eine große Herausforderung dar. Wir möchten Ihnen hiermit gerne einen Überblick zu wichtigen Fragen der einzelnen Lebensbereiche geben.

Corona

1. Welche Darlehen (Kredite) werden von der Regelung erfasst?


Erfasst werden (nur) Verbraucherdarlehensverträge, die vor dem 15. März 2020 abgeschlossen worden sind.

Verbraucherdarlehensverträge sind Darlehensverträge, die ein Verbraucher als Darlehensnehmer zu privaten Zwecken abschließt.

Ausgeschlossen sind allerdings Förderdarlehen, Arbeitgeberdarlehen oder Darlehen unter 200 Euro.

2. Können sich auch Unternehmer auf die Stundung berufen?


Nein. Darlehensverträge von Unternehmern zu gewerblichen Zwecken werden von der Regelung (derzeit) nicht erfasst.

Allerdings können Darlehensverträge, die ein Unternehmer zu privaten Zwecken schließt, erfasst sein, etwa wenn ein Friseur zur Finanzierung seines Eigenheims einen Darlehensvertrag abschließt.

3. Welche Ansprüche werden gestundet?


Gestundet werden Ansprüche des Darlehensgebers auf Rückzahlungs-, Zins- oder Tilgungsleistungen, die zwischen dem 1. April 2020 und dem 30. Juni 2020 fällig werden.

4. Unter welchen Voraussetzungen gilt die Stundung?


Voraussetzung ist, dass der Verbraucher gerade durch die COVID-19-Pandemie Einnahmeausfälle hat, die dazu führen, dass die weitere Erbringung von Rückzahlungs-, Zins- oder Tilgungsleistungen aus dem Darlehensvertrag den angemessenen Lebensunterhalt des Verbrauchers oder von Personen, für deren Unterhalt er verantwortlich ist, gefährden würde.

5. Was muss der Verbraucher tun, um die Stundung geltend zu machen?


Die Stundung wird gesetzlich angeordnet, d. h. sie gilt unmittelbar. Allerdings empfehlen die kreditwirtschaftlichen Verbände, so bald wie möglich Kontakt zu seiner Bank oder Sparkasse aufzunehmen. Verbraucher müssen dabei ihre durch die Pandemie eingetretenen Einnahmeausfälle gegenüber der Bank nachweisen. Zudem, so die Verbände, können die Verbraucher dann gemeinsam mit der Bank an einer Lösung für die Fortsetzung des Darlehensverhältnisses nach Abklingen der Pandemie erarbeiten.

6. Für welchen Zeitraum gilt die Stundung?


Die erfassten Ansprüche sind zunächst für drei Monate gestundet, d. h. um diesen Zeitraum verschiebt sich die Fälligkeit des jeweiligen Anspruchs. Ein Zins- oder Tilgungsanspruch, der zum 1. April 2020 fällig geworden wäre, wird demnach erst zum 1. Juli 2020 fällig.

7. Werden danach die gestundeten Beiträge mit einem Mal fällig?


Nein. Der Darlehensvertrag wird um den Zeitraum der Stundung verlängert, sofern Bank und Verbraucher sich nicht auf eine andere Lösung verständigen. Das gesamte Vertragsverhältnis einschließlich der Fälligkeit der jeweiligen Zins- und Tilgungsleistungen verschiebt sich entsprechend.

8. Fallen für den Zeitraum der Stundung Verzugszinsen an?


Nein. Die Stundung bewirkt, dass der Verbraucher mit den gestundeten Zahlungen nicht in Verzug geraten kann. Als Konsequenz schuldet der Verbraucher für die gestundeten Ansprüche auch keine Verzugszinsen.

9. Kann mir die Bank in der Zeit kündigen?


Nein. Eine Kündigung des Darlehensvertrags wegen Zahlungsverzugs, wegen einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Verbrauchers oder einer Verschlechterung der Werthaltigkeit von Sicherheiten ist ab dem 1. April 2020 während des Zeitraums der Stundung ausgeschlossen. Kündigungserklärungen zwischen dem 1. April 2020 und dem 30. Juni 2020 aus diesem Grund sind unwirksam.

10. Können die Parteien vertraglich eine abweichende Regelung von der Stundung treffen?


Ja. Die Parteien können einvernehmlich abweichende Vereinbarungen, z.B. über Teilleistungen, Zins- und Tilgungsanpassungen oder Umschuldungen treffen.

Nicht abdingbar ist dagegen der Ausschluss von Kündigungen während des Stundungszeitraums.

Der Verbraucher ist zudem berechtigt, die nach dem Darlehensvertrag geschuldeten Zahlungen weiterhin ganz oder teilweise zu leisten.

11. Welche Schutzmaßnahmen gelten zu Gunsten des Darlehensgebers?


Die Stundung kann auch für den Darlehensgeber, insbesondere in Anbetracht der COVID-19-Pandemie, erhebliche wirtschaftliche Einbußen bedeuten. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass bei einer Abwägung der beiderseitigen Interessen die Schutzbedürftigkeit des Verbrauchers überwiegt.

12. Was gilt, wenn mehrere Darlehensnehmer einen Darlehensvertrag abgeschlossen haben?


Sind mehrere Darlehensnehmer Gesamtschuldner und liegen die Voraussetzungen der Stundung nur bei einem der Darlehensnehmer vor, so kann der Gläubiger den gestundeten Betrag auch nicht von den anderen Darlehensnehmern verlangen.

13. Was passiert, wenn die aktuelle Pandemie-Situation länger andauert?


Die Bundesregierung ist ermächtigt, den Zeitraum der Stundung durch Rechtsverordnung bis zum 30. September 2020 zu verlängern.