NETZWERK-EXPERTISE
FAQ zur CORONA-KRISE

GEBÜNDELTES KNOW-HOW ZU DEN HÄUFIGSTEN FRAGEN
Die Corona Krise stellt für jedermann eine große Herausforderung dar. Wir möchten Ihnen hiermit gerne einen Überblick zu wichtigen Fragen der einzelnen Lebensbereiche geben.

Corona

1. Brauche ich in Corona Zeiten ein Testament?


Speziell wegen der Gefährdung durch die Corona Pandemie brauchen Sie kein Testament. Allerdings sollte uns die gegenwärtige Situation Anlass geben, über die persönliche Vorsorge im Allgemeinen nachzudenken und sich dabei klar zu werden, dass persönliche Vorsorgemaßnahmen wie die Errichtung einer Vorsorgevollmacht, einer Patientenverfügung und gegebenenfalls auch die Regelung des Nachlasses immer sinnvoll sind.

Auch  in  jüngeren  Jahren  sind  wir  durch  lebensbedrohliche Erkrankungen, Unfälle im Straßenverkehr, im Beruf oder in der Freizeit gefährdet.
 
Hier empfiehlt es sich, Vorsorge zu treffen und die Dinge zu regeln.
 

2. Was passiert eigentlich, wenn ich kein Testament habe?


Wenn Sie versterben, ohne ein Testament zu hinterlassen, tritt die sogenannte gesetzliche Erbfolge ein. Hier hat der Gesetzgeber mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch Standardregelungen aufgestellt, was mit dem Nachlass geschieht.

Häufig sind diese Regelungen, die vor 1900 geschaffen wurden, für unsere moderne Welt und aktuelle Formen des Zusammenlebens nicht mehr passend. Regelmäßig entstehen schwierig zu handhabende Erbengemeinschaften. Partner in nichtehelichen Gemeinschaften werden überhaupt nicht berücksichtigt, ebenso wenig die Besonderheiten in Patchwork-Familien oder steueroptimierte Gestaltungen.

3. Reicht es aus, meine Vorstellungen meiner Familie oder Freunden mitzuteilen?


Ein mündliches Testament kennt unser Rechtssystem im Normalfall nicht. Ein Testament sollte immer schriftlich errichtet werden, entweder privatschriftlich oder zu Protokoll eines Notars.

Das privatschriftliche Testament muss komplett mit der Hand geschrieben werden und sollte den Ort und das Datum enthalten und mit Vor- und Zunamen unterschrieben sein. Ohne Einhaltung dieser Formalien kann ein so errichtetes Testament völlig unwirksam sein.

4. Kann man ein Testament auch in letzter Sekunde noch verfassen?


Grundsätzlich ist das möglich, allerdings muss man bei der Errichtung des Testamentes auch noch in der Lage sein, seinen letzten Willen geordnet zum Ausdruck zu bringen. Man muss also noch „testierfähig“ sein.

Darüber hinaus sollte man sich die Verteilung seines Nachlasses und damit die Regelungen des Testaments in Ruhe überlegen und alle Aspekte gegeneinander abwägen.
 
Von daher bietet es sich an, über ein Testament rechtzeitig, - ohne Zeitnot und ohne Druck durch äußere Umstände -, nachzudenken. Die rechtzeitige Errichtung eines Testamentes ist ein Gebot der Vorsorge.

5. Ist ein Berliner Testament nicht die sinnvollste Regelung in Familien?


In einer familiären Standardsituation, - in erster Ehe miteinander verheiratete Eheleute mit einem oder mehreren Kindern -, kann ein sogenanntes Berliner Testament durchaus eine sinnvolle Lösung sein.

Unter einem Berliner Testament versteht man die Regelung, dass sich Eheleute zunächst wechselseitig als alleinige Erben einsetzen und das oder die gemeinsamen Kinder als sogenannte Schlusserben nach dem Tode des Überlebenden.

Ein Berliner Testament kann aber gravierende Nachteile haben, insbesondere in steuerlicher Hinsicht und durch die entstehenden Pflichtteilsansprüche der Kinder. Besondere familiäre Situationen können durch ein Berliner Testament ebenfalls nicht abgebildet werden.

Zu einem Berliner Testament sollte man deshalb erst nach genauer Prüfung aller Umstände und der Erwägung aller Vor- und Nachteile greifen.

6. Kann ich ein Testament alleine aufsetzen oder nur gemeinsam mit meinem Ehepartner?


Nach unserem Rechtssystem ist ein sogenanntes Einzeltestament durchaus möglich, auch wenn ich verheiratet oder verpartnert bin.
Ehepartner und Partner nach dem Partnerschaftsgesetz haben zusätzlich die Möglichkeit, ein Testament auch gemeinschaftlich zu errichten und ihre beiden Nachlässe in Abstimmung miteinander zu regeln.

Bei einem solchen Testament muss man allerdings beachten, dass eine einseitige Abänderung nicht ohne weiteres möglich ist und die Regelungen nach dem Tode eines Partners möglicherweise gar nicht mehr abgeändert werden können.

Hier sollte man sich sorgfältig über die rechtlichen Konsequenzen eines solchen gemeinsamen Testamentes informieren.

7. Wann sollte man ein Testament vor einem Notar errichten?


Ein Testament muss nicht vor einem Notar errichtet werden. Ein notariell beurkundetes Testament kann dennoch sinnvoll sein, weil dann häufig ein Erbschein nicht erforderlich ist. Auch der Notar berät über rechtliche Gestaltungen.
 
Bei komplexeren Familien- und/oder Vermögensverhältnisses ist aber in der Regel der Testamententwurf durch einen Fachanwalt für Erbrecht oder einen im Erbrecht erfahrenen Anwalt der bessere Weg. Der Anwalt ermittelt als Interessenvertreter seines Mandanten den erbrechtlich relevanten Sachverhalt und zeigt Optimierungsmöglichkeiten auf – auch unter Berücksichtigung steuerlicher Aspekte, zu denen der Notar nicht berät. Häufig sind außerdem schon zu Lebzeiten Vermögensübertragungen und sonstige ergänzende Regelungen (z.B. Vollmachten) sinnvoll. Auch kann der Anwalt (anders als der Notar) erforderlichenfalls auch nach dem Erbfall tätig werden und die Vorstellungen seines Mandanten auch nach dessen Tod durchsetzen.
 

8. Kann ich ein einmal errichtetes Testament wieder ändern?


Testamente können in aller Regel jederzeit geändert werden. Das ist häufig auch sinnvoll, wenn sich die persönlichen Verhältnisse oder die Vermögenssituation geändert haben.

Vorsicht  ist  allerdings  geboten,  wenn  ich  ein  gemeinschaftliches Testament  mit  meinem (Ehe-) Partner errichtet habe und dieser nicht mehr lebt.

Ebenfalls nicht ohne weiteres einseitig abänderbar sind erbvertragliche Regelungen mit dritten Personen oder gemeinschaftliche Testamente ohne Mitwirkung des Ehepartners. Hier muss immer sorgfältig geprüft werden, ob und wie weit eine Änderung möglich ist.

9. Welche Kosten entstehen, wenn ich bei Errichtung eines Testamentes einen Anwalt oder Notar beauftrage?


Bei der Beratung durch einen Anwalt sollte man die Kosten im Vorfeld klären. Hier ist es häufig möglich, ein Pauschalhonorar zu vereinbaren oder eine Abrechnung nach Zeitaufwand. Eine Rechtsschutzversicherung hilft in aller Regel nicht weiter, weil die Kosten der Beratung zur Errichtung eines Testamentes in den meisten Fällen nicht versichert sind.
 
Die Notarkosten für ein notarielles Testament ergeben sich aus dem Gerichts- und Notarkostengesetz; danach ist für die Höhe der Notarkosten in der Regel die aktuelle Vermögenssituation maßgeblich.