Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

Persönlichkeitsrecht Moukokos Altersangabe zweifelhaft? - Der „Spiegel“ hätte dem Fußballspieler vor einer Publikation Gelegenheit zur Stellungnahme geben müssen

Youssoufa Moukoko, Fußballprofi bei Borussia Dortmund und deutscher Nationalspieler, wandte sich gegen einen Artikel im „Spiegel“. Dem Nachrichtenmagazin warf er vor, seine Persönlichkeitsrechte verletzt zu haben. In dem Artikel ging es um Zweifel am wirklichen Alter von Moukoko und Ungereimtheiten bei den Angaben zu seiner Herkunft.

Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt gab dem Fußballer Recht und untersagte dem „Spiegel“ die Publikation einiger Aussagen dazu (16 U 33/23): Das Magazin habe den Spieler selbst nicht genügend zu Wort kommen lassen. Hier gehe es um eine Abwägung zwischen dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen und dem Recht auf Pressefreiheit, betonte das OLG. Schließlich könne die Berichterstattung das Ansehen des Fußballspielers negativ beeinflussen.

Ihr Inhalt: Youssoufa Moukoko soll von Joseph Moukoko nach Hamburg geholt worden sein. Der Talentscout habe den Jungen in Kamerun "entdeckt" und mit dem Einverständnis der Familie adoptiert, um ihn einfacher nach Deutschland bringen zu können. Laut einer Nachbeurkundung durch die Stadt Hamburg wurde Youssoufa 2004 geboren. Zweifel daran wurden schon öfter geäußert, weil der Junge schon in Jugendmannschaften unter Älteren dominierte und bei seinem Debut in der Bundesliga gerade mal 16 Jahre alt war.

Der Bericht im „Spiegel“ trage zu einer Diskussion von öffentlichem Interesse bei, stellte das OLG fest: Denn das Alter eines Fußballprofis sei ein wichtiges Kriterium für dessen Marktwert. Der Bericht sei auch keineswegs vorverurteilend, obwohl einige Ungereimtheiten zur Sprache kämen. Pressefreiheit und das Informationsinteresse der Öffentlichkeit hätten aber nur dann Vorrang vor dem Persönlichkeitsrecht, wenn der Betroffene ausreichend Gelegenheit bekomme, dazu Stellung zu nehmen.

Daran habe es hier gefehlt. „Der Spiegel“ stütze seinen Verdacht auf eigene Recherchen, vor allem auf Gespräche mit angeblichen Angehörigen. Dazu hätte man den Fußballspieler vor der Veröffentlichung des Berichts befragen und direkt mit den Vorwürfen konfrontieren müssen. Dann wäre die konkrete Berichterstattung eventuell in einem für die Leser bedeutsamen Punkt anders ausgefallen.

Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom 08.05.2024 – 16 U 33/23

Diesen Beitrag teilen

Alle Fachbeiträge zeigen

Verkehrsrecht
27.10.2026

BGH: Geschwindigkeitsmessungen auch ohne Rohmessdaten verwertbar

Fehlende Speicherung von Rohmessdaten begründet kein Beweisverwertungsverbot – Konkrete Anhaltspunkte für Messfehler erforderlich

Beitrag lesen
Arbeitsrecht
23.10.2026

Vergütung für Betriebsratstätigkeit außerhalb der Arbeitszeit – ein Lehrstück aus der anwaltlichen Praxis

Betriebsratsarbeit außerhalb der persönlichen Arbeitszeit führt nicht automatisch zu einem Vergütungsanspruch. Anhand eines anonymisierten Falls aus der anwaltlichen Praxis zeigt der Beitrag, welche Voraussetzungen § 37 Abs. 3 BetrVG stellt und warum der Freizeitausgleich grundsätzlich Vorrang hat.

Beitrag lesen
Medizinrecht
23.10.2026

Konkurrentenstreit um Arztsitze: Wann erledigt sich das Auswahlverfahren von selbst – und welche strategischen Chancen eröffnet das?

Der Wettbewerb um Arztsitze oder Anstellungsgenehmigungen beschäftigt viele Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Versorgungszentren (MVZ). In einem vor dem Bundessozialgericht (BSG) entschiedenen Fall ging es um die Frage, ob die Vergabe einer Anstellungsgenehmigung automatisch »verpufft«, wenn bestimmte Ereignisse – wie z.B. ein Verzicht auf die Zulassung des ursprünglich Begünstigten oder die Umwandlung der genehmigten Anstellung in eine Zulassung des angestellten Arztes – während des laufenden Rechtsstreits eintreten. Das BSG hat mit Urteil vom 11.12.2024 klargestellt, dass sich in solchen Fällen nicht nur die einzelne Genehmigung, sondern das gesamte Auswahlverfahren erledigt. Mit Urteil vom 26.3.2025 hat der 6. Senat diese Grundsätze inzwischen ausdrücklich bestätigt und für die Frage nutzbar gemacht, unter welchen Voraussetzungen eine Anstellungsgenehmigung überhaupt erteilt werden darf. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die rechtlichen Zusammenhänge sowie die praktischen Konsequenzen für Ärztinnen, Ärzte und MVZ-Betreiber, die sich an Zulassungsverfahren beteiligen.

Beitrag lesen