Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

Medizinrecht aktuell Sturz aus Bett kein Behandlungsfehler

Das Landgericht Köln hat in seiner Entscheidung vom 27.10.2020 (3 O 5/19) festgestellt, dass ein Pflegeheim einer demenzkranken Patientin nicht für den Schaden aus einem Sturzereignis einzustehen hat, der dadurch entstanden ist, dass die Patientin aufgrund fehlender Bettgitter aus dem Pflegebett gestürzt ist.

Mitte April 2018 stürzte die damals 93 jährige Patientin aus einem Pflegebett in einem Kölner Pflegeheim. Sie verstarb etwa ein Jahr später. Den Tod führt die Tochter auf einen Fehler bei der Pflege der Patientin zurück. Ihrer Ansicht nach hätten Bettgitter zur Verhinderung eines Sturzes aus dem Bett stets angebracht sein müssen.

Das Landgericht Köln hat nun entschieden, dass keine Pflicht zur Fixierung oder zur Anbringung eines Bettgitters besteht. Ein eingeholtes Sachverständigengutachten kommt in den Verfahren zu dem Ergebnis, dass sowohl das Anbringen von Bettgittern als auch eine mögliche Fixierung der Patientin nicht nur ihre vollständige Bewegungsfreiheit aufheben und damit möglicherweise bereits grundrechtlich unzulässig sind, ferner besteht aufgrund der zusätzlichen Maßnahmen auch eine ganz erhebliche Verletzungsgefahr. Die Maßnahmen wären daher insgesamt nicht angezeigt gewesen, der Sturz hätte durch das Pflegepersonal in seiner konkreten Ausgestaltung nicht verhindert werden können.

Insoweit hat das Gericht die Klage der Tochter auf Zahlung eines Schmerzensgeldes und auch eines Schadensersatzanspruchs abgewiesen, da ein Verschulden des Pflegeheims nicht festzustellen war.

Beitrag veröffentlicht am
23. Dezember 2020

Stichworte in diesem Beitrag

Diesen Beitrag teilen

Alle Fachbeiträge zeigen

Steuerrecht, Erbschaften und Schenkungen, Gesellschaftsrecht
18.05.2026

Schenkung Mitunternehmeranteil nebst Sonder-BV kann zur Steuerfalle werden

Mitunternehmeranteile werden häufig schon zu Lebzeiten auf die nächste Generation übertragen. Diese Übertragung unterliegt zwar der Schenkungsteuer, ist aber häufig nach §§ 13a, 13b ErbStG steuerfrei. Zur Steuerfalle kann es aber kommen, wenn vermeintlich parallel zum Mitunternehmeranteil Sonderbetriebsvermögen übertragen wird. Werden hier die Verträge nicht optimal aufeinander abgestimmt, kann die Steuerbegünstigung für das Sonderbetriebsvermögen schnell entfallen.

Beitrag lesen
Vertragsrecht Vertrag Unterschrift
Insolvenzrecht
08.05.2026

Wann wird die Schwelle zum Betriebsübergang nach § 613a BGB überschritten?

Dies ist auch eine für insolvenzrechtliche Sanierungen relevante Fragestellung. Denn auch in diesem Zusammenhang findet die Regelung des § 613a BGB Anwendung – beispielsweise im Zuge einer sogenannten übertragenden Sanierung.

Beitrag lesen
handschlag arbeit kündigung vertrag
Arbeitsrecht
04.05.2026

Variable Vergütung in der Elternzeit – was das Urteil für die Praxis bedeutet

Variable Vergütungssysteme sind aus der modernen Arbeitswelt kaum noch wegzudenken. Boni, Zielprämien und leistungsabhängige Gehaltsbestandteile sollen Anreize setzen und Unternehmenserfolg honorieren. Gleichzeitig werfen sie in der Praxis immer wieder rechtliche Fragen auf – insbesondere dann, wenn Arbeitnehmer zeitweise keine Arbeitsleistung erbringen, etwa während der Elternzeit. Das aktuelle Urteil des Bundesarbeitsgerichts schafft hierzu wichtige Klarheit und gibt sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern eine verlässliche Orientierung.

Beitrag lesen