Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

Medizinrecht aktuell Triage in der Corona Krise

Unter dem Begriff der sogenannten Triage versteht man eine Maßnahme aus dem Bereich der Katastrophemedizin. In den Fällen, in denen nach schweren Unfällen, Katastrophen oder aber auch in Pandemie-Lagen eine größere Anzahl von betroffenen und verletzten vorhanden ist als medizinisch versorgt werden kann muss eine Entscheidung darüber gefällt werden, welche Patienten und Betroffenen in den Genuss einer ärztlichen Behandlung kommen und wem eine solche Behandlung nicht zuteil wird.

Das Bundesverfassungsgericht hatte sich im Juli diesen Jahres mit der Frage zu beschäftigen, ob im Wege des Eilrechtsschutzes einer einstweiligen Anordnung auf Erlass einer entsprechenden gesetzlichen Regelung nachzukommen war. Bislang existiert in Deutschland keine gesetzlich verbindliche Regelung zu der Frage, an welchen rechtlichen, persönlichen oder auch moralischen Grundsätzen sich eine Triage zu orientieren hat.

Das Bundesverfassungsgericht hält die Verfassungsbeschwerde weder für unzulässig noch für offensichtlich unbegründet. Allerdings ist der gestellte Antrag im Rahmen des einstweiligen Rechtsschutzes nicht abschließend zu beurteilen. Hintergrund ist, dass eine sehr sorgsame Abwägung der widerstreitenden Interessen erforderlich ist, wofür in einem von der Antragstellerin geführten Eilrechtsschutzverfahren nicht ausreichend Raum besteht. Das Bundesverfassungsgericht geht davon aus, dass eine gesetzliche Regelung zur Triage durchaus sinnvoll sein kann, allerdings nicht zwingend erforderlich ist. Im Bereich der Katastrophen- und Notfallmedizin gibt es seit langem Regelungen, wie im Falle einer Triage – die das Bundesverfassungsgericht nach jetzigem Stand für unwahrscheinlich hält – zu verfahren ist.

Nach aktuellem Stand der medizinischen Wissenschaft wird am Grundsatz „Loss Of Life "gemessen. Es kommt also für die Bewertung, wer ärztliche Behandlung genießt und wer nicht ausschließlich auf die Frage an, mit welcher ärztlichen Behandlung die maximal mögliche Anzahl an noch künftigen Lebensjahren gerettet werden kann. Diese Abwägung berücksichtigt also z. B. auch Faktoren wie die Lebenserwartung, Vorerkrankungen, nicht aber Faktoren wie Einkommen, gesellschaftliche Stellung oder persönliche Wertvorstellungen. Das so schon vorhandene System stellt mit Blick auf die Tragweite der zu treffenden Entscheidung, die letztlich über Leben und Tod des Betroffenen entscheidet, eine bislang sehr ausgewogene Lösung dar, die vom Bundesverfassungsgericht auch nicht kritisiert worden ist.

Beitrag veröffentlicht am
23. Dezember 2020

Stichworte in diesem Beitrag

Diesen Beitrag teilen

Alle Fachbeiträge zeigen

Verkehrsrecht
27.10.2026

BGH: Geschwindigkeitsmessungen auch ohne Rohmessdaten verwertbar

Fehlende Speicherung von Rohmessdaten begründet kein Beweisverwertungsverbot – Konkrete Anhaltspunkte für Messfehler erforderlich

Beitrag lesen
Arbeitsrecht
23.10.2026

Vergütung für Betriebsratstätigkeit außerhalb der Arbeitszeit – ein Lehrstück aus der anwaltlichen Praxis

Betriebsratsarbeit außerhalb der persönlichen Arbeitszeit führt nicht automatisch zu einem Vergütungsanspruch. Anhand eines anonymisierten Falls aus der anwaltlichen Praxis zeigt der Beitrag, welche Voraussetzungen § 37 Abs. 3 BetrVG stellt und warum der Freizeitausgleich grundsätzlich Vorrang hat.

Beitrag lesen
Medizinrecht
23.10.2026

Konkurrentenstreit um Arztsitze: Wann erledigt sich das Auswahlverfahren von selbst – und welche strategischen Chancen eröffnet das?

Der Wettbewerb um Arztsitze oder Anstellungsgenehmigungen beschäftigt viele Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Versorgungszentren (MVZ). In einem vor dem Bundessozialgericht (BSG) entschiedenen Fall ging es um die Frage, ob die Vergabe einer Anstellungsgenehmigung automatisch »verpufft«, wenn bestimmte Ereignisse – wie z.B. ein Verzicht auf die Zulassung des ursprünglich Begünstigten oder die Umwandlung der genehmigten Anstellung in eine Zulassung des angestellten Arztes – während des laufenden Rechtsstreits eintreten. Das BSG hat mit Urteil vom 11.12.2024 klargestellt, dass sich in solchen Fällen nicht nur die einzelne Genehmigung, sondern das gesamte Auswahlverfahren erledigt. Mit Urteil vom 26.3.2025 hat der 6. Senat diese Grundsätze inzwischen ausdrücklich bestätigt und für die Frage nutzbar gemacht, unter welchen Voraussetzungen eine Anstellungsgenehmigung überhaupt erteilt werden darf. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die rechtlichen Zusammenhänge sowie die praktischen Konsequenzen für Ärztinnen, Ärzte und MVZ-Betreiber, die sich an Zulassungsverfahren beteiligen.

Beitrag lesen