Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

Steuerliche Anreize für grüne Investitionen: Die Empfehlung der EU-Kommission zum Clean Industrial Deal – Chancen und Hinweise für mittelständische Unternehmen

Was sieht die Empfehlung vor?

Die Kommission legt den Mitgliedstaaten nahe, innerhalb ihrer Steuergesetze spezielle Förderungen einzuführen. Kernpunkte sind:

1. Beschleunigte Abschreibungen

Unternehmen sollen Investitionen in grüne und energieeffiziente Technologien – zum Beispiel neue Maschinen oder emissionsfreie Fahrzeuge – schneller als bisher steuerlich abschreiben dürfen. Möglich ist sogar die vollständige Abschreibung im Jahr des Kaufs oder Leasings. Damit wird die Steuerlast spürbar gesenkt und der finanzielle Spielraum für weitere Investitionen verbessert. Wichtig: Auch Regelungen für Verlustvorträge werden empfohlen, sodass nicht sofort genutzte Steuervorteile später angerechnet werden können.

2. Steuergutschriften und Flexibilität

Als zweite wichtige Säule werden Steuergutschriften für Investitionen in Klimaschutz und Energieeffizienz vorgeschlagen. Diese können direkt von der Körperschaftsteuer abgezogen werden. Sollte der Betrieb im Jahr der Investition nicht genügend steuerpflichtige Gewinne haben, kann die Steuergutschrift bis zu vier Jahre vorgetragen oder – unter bestimmten Bedingungen – ausgezahlt werden. Zudem sollen Angaben auch mit anderen Steuerarten verrechnet werden können, sofern das nationale Recht das zulässt.

3. Klarer Rahmen durch EU-Beihilferecht und CISAF

Zwei Dinge sind zu beachten: Erstens legt der neue Beihilferahmen „CISAF“ Höchstgrenzen für die steuerlichen Förderungen pro Vorhaben fest. Zweitens müssen sämtliche Maßnahmen mit dem europäischen Beihilferecht in Einklang stehen. Typische Fallstricke liegen hier in unzulässigen Wettbewerbsverzerrungen oder der Förderung von Investitionen ohne echten Klimabezug.

Praktische Umsetzung und Herausforderungen

Mittelständische Unternehmen sollten prüfen, ob ihre nachhaltigen Investitionen unter die neuen Spielregeln fallen und möglichst frühzeitig Nachweise dokumentieren. Die steuerlichen Vorteile greifen nur, wenn die Regelungen im jeweiligen Mitgliedstaat umgesetzt und die EU-Beihilferechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Auch Transparenz (z. B. durch öffentliche Dekarbonisierungspläne) wird künftig wichtiger.

Fazit: Chancen nutzen, Entwicklung aktiv begleiten

Die Empfehlung ebnet den Weg für steuerliche Anreize bei grünen Investitionen, ist aber noch keine verbindliche Gesetzgebung. Unternehmen sollten sich frühzeitig mit ihrem Steuerberater oder Rechtsanwalt abstimmen, um geplante Investitionen optimal auszurichten und Risiken zu vermeiden.

Beitrag veröffentlicht am
20. Oktober 2025

Diesen Beitrag teilen

Alle Fachbeiträge zeigen

Verkehrsrecht
27.10.2026

BGH: Geschwindigkeitsmessungen auch ohne Rohmessdaten verwertbar

Fehlende Speicherung von Rohmessdaten begründet kein Beweisverwertungsverbot – Konkrete Anhaltspunkte für Messfehler erforderlich

Beitrag lesen
Arbeitsrecht
23.10.2026

Vergütung für Betriebsratstätigkeit außerhalb der Arbeitszeit – ein Lehrstück aus der anwaltlichen Praxis

Betriebsratsarbeit außerhalb der persönlichen Arbeitszeit führt nicht automatisch zu einem Vergütungsanspruch. Anhand eines anonymisierten Falls aus der anwaltlichen Praxis zeigt der Beitrag, welche Voraussetzungen § 37 Abs. 3 BetrVG stellt und warum der Freizeitausgleich grundsätzlich Vorrang hat.

Beitrag lesen
Medizinrecht
23.10.2026

Konkurrentenstreit um Arztsitze: Wann erledigt sich das Auswahlverfahren von selbst – und welche strategischen Chancen eröffnet das?

Der Wettbewerb um Arztsitze oder Anstellungsgenehmigungen beschäftigt viele Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Versorgungszentren (MVZ). In einem vor dem Bundessozialgericht (BSG) entschiedenen Fall ging es um die Frage, ob die Vergabe einer Anstellungsgenehmigung automatisch »verpufft«, wenn bestimmte Ereignisse – wie z.B. ein Verzicht auf die Zulassung des ursprünglich Begünstigten oder die Umwandlung der genehmigten Anstellung in eine Zulassung des angestellten Arztes – während des laufenden Rechtsstreits eintreten. Das BSG hat mit Urteil vom 11.12.2024 klargestellt, dass sich in solchen Fällen nicht nur die einzelne Genehmigung, sondern das gesamte Auswahlverfahren erledigt. Mit Urteil vom 26.3.2025 hat der 6. Senat diese Grundsätze inzwischen ausdrücklich bestätigt und für die Frage nutzbar gemacht, unter welchen Voraussetzungen eine Anstellungsgenehmigung überhaupt erteilt werden darf. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die rechtlichen Zusammenhänge sowie die praktischen Konsequenzen für Ärztinnen, Ärzte und MVZ-Betreiber, die sich an Zulassungsverfahren beteiligen.

Beitrag lesen