Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

Erbrecht aktuell Testament auf dem Butterbrotpapier

Das OLG Hamm (AZ: 10 W 153/15) hatte einen Fall zu entscheiden, in dem die Kinder der Erblasserin dem Nachlassgericht zwei Schriftstücke vorlegten, nach denen der verstorbene Bruder Alleinerbe geworden sein soll. Bei einem dieser Schriftstücke handelte es sich um einen ca. 8 x 10 cm großen, per Hand ausgeschnittenen Zettel mit folgender handschriftlicher Aufschrift :

Tesemt

Haus

Das für J “ .

Unter dieser Aufschrift befinden sich die Jahreszahl 1986 sowie der Schriftzug der Erblasserin. Bei dem zweiten Schriftstück handelte es sich um ein mehrfach gefaltetes Stück Papier, dass der Beschaffenheit von Butterbrotpapier entspricht. Auf diesem befanden sich die gleichen Worte wie auf dem anderen Schriftstück, allerdings in leicht abgewandelter Anordnung. Ferner waren auf dem Schriftstück ein kleiner Schlüssel mit einem Klebefilm festigt.

Das Oberlandesgericht Hamm kam zu dem Ergebnis, dass nicht mit hinreichender Sicherheit festgestellt werden konnte, dass es sich bei den Schriftstücken nach dem Willen der Erblasserin um letztwillige Verfügung, also Testamente, handeln soll. Die Richter betonten, dass ein Testament nur dann wirksam sei, wenn der Erblasser bei seiner Errichtung einen ernstlichen Testierwillen habe. Bei Zweifeln hieran sei zu prüfen, ob es sich nicht lediglich um einen Entwurf handelt. Sofern Zweifel nicht ausgeräumt werden können, läge kein gültiges Testament vor.

Das Oberlandesgericht kam zu dem Ergebnis, dass das Vorliegen zweier inhaltsgleicher Schriftstücke auf ungewöhnlichen Schreibunterlagen eher schriftlich dokumentierte Vorüberlegungen oder Entwürfe sein. Da es auch außerhalb dieser Schriftstücke keine konkreten Umstände gab, die das Gegenteil belegten, sah das OLG Hamm die Schriftstücke nicht als wirksame Testamente an.

Beitrag veröffentlicht am
18. Dezember 2020

Stichworte in diesem Beitrag

Diesen Beitrag teilen

Alle Fachbeiträge zeigen

Briefkasten
Arbeitsrecht, Allgemeines Zivilrecht
20.02.2026

Zugang von Kündigung: Warum Einwurf-Einschreiben nach neuer Rechtsprechung nicht mehr ausreichen

Digitalisierung des Zustellverfahrens mindert die Beweiskraft

Beitrag lesen
Partner-Familie-Ehe
Zivilrecht, Allgemeines Zivilrecht, Familienrecht
20.02.2026

Ausgleich von Mietzahlungen nach Trennung

Nichteheliche Lebensgemeinschaft beendet: Partner hat keinen automatischen Anspruch auf Ausgleich von Mietzahlungen

Beitrag lesen
Experte-Gutachten-Sachverständiger-Bau-Werk
Werkvertragsrecht, Insolvenzrecht
06.02.2026

Mangelhafte Werkleistung und Insolvenz: Wann wird Werklohn trotz Mängeln fällig?

Ein Handwerksbetrieb deckt das Dach eines Hauses, doch nach Abschluss der Arbeiten bemängelt der Auftraggeber die Ausführung, gravierende Fehler sind unübersehbar. Kurz darauf wird über das Vermögen des Handwerkers das Insolvenzverfahren eröffnet.

Beitrag lesen