Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

OLG Schleswig stärkt Versicherer Arglistanfechtung bei Cyberversicherung

In einem aktuellen Hinweisbeschluss vom 14. Oktober 2024 (Az.: 16 U 63/24) hat das Oberlandesgericht (OLG) Schleswig klargestellt, dass eine Arglistanfechtung seitens des Versicherers möglich ist. Dies gilt, wenn der Versicherungsnehmer bei Vertragsschluss falsche Angaben zu seinen IT-Sicherheitsmaßnahmen macht.Dieser Beschluss stärkt die Position der Versicherer und zeigt, wie wichtig wahrheitsgemäße Angaben beim Abschluss einer Cyberversicherung sind.

Versicherer verweigert die Leistung

Im konkreten Fall hatte ein Unternehmen eine Cyberversicherung abgeschlossen und dabei im Antragsformular versichert, dass seine IT-Systeme auf dem neuesten Stand seien und über aktuelle Sicherheitsmaßnahmen wie Firewalls und Virenschutz verfügten. Nach einem schwerwiegenden Cyberangriff stellte sich heraus, dass die Server veraltet und nicht ausreichend gegen Angriffe geschützt waren.

Der Versicherer verweigerte daraufhin die Leistung und focht den Versicherungsvertrag wegen arglistiger Täuschung an. Das OLG Schleswig stellte klar, dass eine solche Arglistanfechtung möglich ist. Dies gilt, wenn der Versicherungsnehmer wissentlich unrichtige Angaben macht oder sich zumindest bewusst der Tatsache verschließt, dass seine IT-Sicherheit nicht dem angegebenen Standard entspricht.Ein vorsätzlicher Täuschungswille sei dabei nicht erforderlich – es genüge bereits, dass die Angaben „ins Blaue hinein" gemacht wurden.

Rechtliche Einordnung und Bedeutung

Der Beschluss unterstreicht die Bedeutung der vorvertraglichen Anzeigepflichten in der Cyberversicherung. Versicherungsnehmer müssen sicherstellen, dass ihre Angaben korrekt und aktuell sind. Falsche oder unvollständige Informationen können dazu führen, dass der Versicherer sich durch Anfechtung vom Vertrag löst und keine Leistungen erbringen muss.

Für Versicherer bedeutet dieser Beschluss eine Stärkung ihrer Position. Sie können sich auf eine Arglistanfechtung berufen, wenn nachgewiesen wird, dass der Versicherungsnehmer unrichtige Angaben zu sicherheitsrelevanten Aspekten gemacht hat. Dies erhöht die Anforderungen an die Sorgfaltspflicht der Versicherungsnehmer erheblich.

Praktische Auswirkungen für Unternehmen

Unternehmen sollten aus diesem Beschluss wichtige Lehren ziehen:

  1. E hrliche und vollständige Angaben machen: Beim Abschluss einer Cyberversicherung müssen alle Angaben zur IT-Sicherheit der Wahrheit entsprechen.
  2. Regelmäßige Überprüfung der IT-Sicherheit: IT-Systeme sollten stets den aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen, um Versicherungsschutz nicht zu gefährden.
  3. Dokumentation der Sicherheitsmaßnahmen: Unternehmen sollten ihre IT-Sicherheitsmaßnahmen sorgfältig dokumentieren, um im Schadensfall Nachweise liefern zu können.

Fazit

Der Hinweisbeschluss des OLG Schleswig zeigt deutlich, dass Versicherungsnehmer bei Cyberversicherungen größte Sorgfalt walten lassen müssen. Unrichtige oder fahrlässig ungenaue Angaben können den Versicherungsschutz gefährden und dazu führen, dass der Versicherer den Vertrag erfolgreich anficht. Unternehmen sollten daher ihre IT-Sicherheit genau überprüfen und transparente Angaben gegenüber dem Versicherer machen, um im Ernstfall nicht ohne Schutz dazustehen.

Alle Fachbeiträge zeigen

Verkehrsrecht
27.10.2026

BGH: Geschwindigkeitsmessungen auch ohne Rohmessdaten verwertbar

Fehlende Speicherung von Rohmessdaten begründet kein Beweisverwertungsverbot – Konkrete Anhaltspunkte für Messfehler erforderlich

Beitrag lesen
Arbeitsrecht
23.10.2026

Vergütung für Betriebsratstätigkeit außerhalb der Arbeitszeit – ein Lehrstück aus der anwaltlichen Praxis

Betriebsratsarbeit außerhalb der persönlichen Arbeitszeit führt nicht automatisch zu einem Vergütungsanspruch. Anhand eines anonymisierten Falls aus der anwaltlichen Praxis zeigt der Beitrag, welche Voraussetzungen § 37 Abs. 3 BetrVG stellt und warum der Freizeitausgleich grundsätzlich Vorrang hat.

Beitrag lesen
Medizinrecht
23.10.2026

Konkurrentenstreit um Arztsitze: Wann erledigt sich das Auswahlverfahren von selbst – und welche strategischen Chancen eröffnet das?

Der Wettbewerb um Arztsitze oder Anstellungsgenehmigungen beschäftigt viele Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Versorgungszentren (MVZ). In einem vor dem Bundessozialgericht (BSG) entschiedenen Fall ging es um die Frage, ob die Vergabe einer Anstellungsgenehmigung automatisch »verpufft«, wenn bestimmte Ereignisse – wie z.B. ein Verzicht auf die Zulassung des ursprünglich Begünstigten oder die Umwandlung der genehmigten Anstellung in eine Zulassung des angestellten Arztes – während des laufenden Rechtsstreits eintreten. Das BSG hat mit Urteil vom 11.12.2024 klargestellt, dass sich in solchen Fällen nicht nur die einzelne Genehmigung, sondern das gesamte Auswahlverfahren erledigt. Mit Urteil vom 26.3.2025 hat der 6. Senat diese Grundsätze inzwischen ausdrücklich bestätigt und für die Frage nutzbar gemacht, unter welchen Voraussetzungen eine Anstellungsgenehmigung überhaupt erteilt werden darf. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe, die rechtlichen Zusammenhänge sowie die praktischen Konsequenzen für Ärztinnen, Ärzte und MVZ-Betreiber, die sich an Zulassungsverfahren beteiligen.

Beitrag lesen