Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

Österreichisches Recht Welche Vorteile und rechtlichen Lösungen bietet Österreich für Start-ups?

Österreich ist ein beliebter Standort für sogenannte Start-ups. Das Land dient als Sprungbrett für Jungunternehmer in den mehr als 100 Millionen Einwohner umfassenden deutschsprachigen Markt (DACH) und lockt mit zahlreichen finanziellen Förderungen sowie flexiblen rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten.

Eine dieser flexiblen rechtlichen Lösungen ist die Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo), eine besondere Form der Kapitalgesellschaft, die eine erleichterte Kapitalverwaltung sowie eine Beteiligung von Mitarbeitern am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens ermöglicht. Die FlexCo gilt daher als optimale Gesellschaftsform für wachstumsstarke Unternehmen, die einen vereinfachten Kapitalzugang sowie eine Expansion in internationale Märkte anstreben.

Nachfolgend stellen wir Ihnen wesentliche Fördermaßnahmen für Start-ups sowie die FlexCo als Gesellschaftsform vor.

1) Förderungen

Das Spektrum an Förderungen für Start-ups in Österreich ist breit gefächert und abhängig von zahlreichen Faktoren, darunter die Branche, die Höhe des benötigten Kapitals, der Innovationsgrad der Geschäftsidee sowie der Zweck der Förderung (Gründung oder Unternehmensübernahme). Im Folgenden werden einige der in der Praxis häufigsten Förderinstrumente vorgestellt:

a) Zuschüsse

Die Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) unterstützt Unternehmen bei der Finanzierung von Gründungs-, Wachstums- und Innovationsprojekten (ausgenommen Tourismusbetriebe). Die Förderungen stehen in verschiedenen Formen zur Verfügung. In der frühen Entwicklungsphase, in der Gründer mit hohen Investitionskosten ohne sofortige Erträge konfrontiert sind, stehen insbesondere die Programme PreSeed und Seedfinancing im Vordergrund. Diese finanzieren hochinnovative Unternehmen oder Unternehmen mit Hightech-Produkten von der Geschäftsidee bis zur Markteinführung. Im Rahmen des PreSeed-Programms sind Zuschüsse von bis zu EUR 300.000, im Seedfinancing-Programm von bis zu EUR 1.000.000 möglich.

Spezielle Zuschüsse stehen auch jungen Unternehmen in der Gründungsphase oder bis zu drei Jahre nach der Gründung zur Verfügung, auch im Tourismusbereich (österreichische Hotel- und Tourismusbank – ÖHT). Für Investitionen in Anlagegüter von EUR 50.000 bis EUR 500.000, etwa für die Sanierung von Geschäftsräumen, Ausstattung, Möbel, den Erwerb von Lizenzen und sonstigen Rechten, werden unter bestimmten Voraussetzungen nicht rückzahlbare Zuschüsse in Höhe von 7,5 % für kleine Unternehmen bzw. 5 % für mittlere Unternehmen gewährt.

b) Kredite, Haftungen und Beteiligungsfinazierung

Ergänzend zu direkten Zuschüssen bestehen Förderinstrumente in Form von Darlehen sowie Haftungsübernahmen und sonstigen Sicherheiten. Besonders hervorzuheben sind hierbei die bereits erwähnten Förderinstitutionen AWS und ÖHT, welche zinsgünstige Kredite mit besonderen Konditionen für Jungunternehmen in einer Höhe von bis zu EUR 30 Millionen gewähren. Gleichzeitig bieten sie Haftungen sowie alternative Besicherungsformen an, die Start-ups den Zugang zu Bankfinanzierungen erleichtern.

Zusätzlich stellt die AWS Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial eine Beteiligungsfinanzierung in einer Höhe von bis zu EUR 3,5 Millionen bereit. Diese Eigenkapitalfinanzierung richtet sich insbesondere an Unternehmen in frühen, risikobehafteten Entwicklungsphasen, in denen klassische Bankfinanzierungen oftmals nicht oder nur erschwert verfügbar sind. Ergänzend dazu bietet das zuständige Bundesministerium Kleinkredite bis zu EUR 15.000 an, die primär für finanziell benachteiligte Personen oder Gründer mit erschwertem Kapitalzugang vorgesehen sind. Diese sogenannten Mikrokredite dienen der Umsetzung von Geschäftsideen mit geringen Anfangsinvestitionen und erleichtern den Einstieg in die unternehmerische Tätigkeit.

c) Abgaben- und Gebührenbefreiung nach dem NeuFöG

In der Praxis werden häufig Befreiungen von bestimmten Gebühren in Anspruch genommen, die nach dem Neugründungs-Förderungsgesetz (NeuFöG) unter bestimmten Voraussetzungen gewährt werden. Unternehmer, die in den letzten fünf Jahren keine gleichartige oder ähnliche gewerbliche Tätigkeit ausgeübt haben, können unter bestimmten Bedingungen von Gebühren für die Eintragung im Firmenbuch, für die Grundbuchseintragung von Eigentumsübertragungen sowie von der Grunderwerbsteuer befreit werden, sofern das Grundstück als Sacheinlage in das Unternehmen eingebracht wird. Ebenso können bestimmte Lohnabgaben für Arbeitnehmer in der Anfangsphase der betrieblichen Tätigkeit entfallen. Dieses Gesetz ermöglicht Unternehmern erhebliche Einsparungen bei Gründungs- und Übertragungskosten und erleichtert somit den Einstieg in die unternehmerische Tätigkeit. 

2) Die Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo)

Die Flexible Kapitalgesellschaft (FlexCo) wurde in Österreich im Jahr 2024 eingeführt und stellt eine hybride Gesellschaftsform dar, die wesentliche Merkmale einer klassischen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) mit Elementen einer Aktiengesellschaft (AG) kombiniert. Sie erfreut sich insbesondere bei Start-ups großer Beliebtheit, da sie eine reduzierte bürokratische Belastung sowie steuerliche Begünstigungen im Rahmen der Mitarbeiterbeteiligung bietet und zudem für internationale Investoren von Interesse ist.

Im Vergleich zur klassischen GmbH zeichnet sich die FlexCo insbesondere durch folgende Vorteile aus:

  • erleichterte Übertragung von Geschäftsanteilen ohne strenge Formvorschriften;
  • flexible Beschlussfassung in der Gesellschafterversammlung;
  • steuerlich begünstigte Mitarbeiterbeteiligung durch die Ausgabe neuer Geschäftsanteile;
  • bei erfolgreichem Unternehmenswachstum eine unkomplizierte Umwandlung in eine GmbH oder AG.

Durch die Einführung der FlexCo sowie eine Vielzahl an staatlichen Fördermaßnahmen hat Österreich einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Start-up-Ökosystems geleistet und sich als attraktiver Standort für internationale Investoren positioniert. Unternehmer, die eine Gesellschaftsgründung oder -übernahme in Österreich erwägen, sollten daher sorgfältig prüfen, welche Förderungen und Steuerbegünstigungen für sie in Betracht kommen und welche Rechtsform die optimale Struktur für ihr Geschäftsmodell bietet. 

Alle Fachbeiträge zeigen

Auto-Unfall-Verkehr
Schadensersatzrecht, Verkehrsrecht, Verkehrsunfallrecht
24.07.2026

Verkehrsunfall: Auch für einen kleineren Ersatzwagen ist der günstigste Tarif maßgeblich

Wer unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt wird, hat grundsätzlich Anspruch darauf, für die Dauer der Reparatur einen gleichwertigen Mietwagen zu nutzen. Doch was gilt, wenn sich der Geschädigte freiwillig mit einem kleineren Ersatzfahrzeug begnügt? Kann er dann argumentieren, die höheren Mietkosten seien dennoch zu ersetzen, weil ein gleichwertiges Fahrzeug kaum günstiger gewesen wäre? Mit dieser Frage hatte sich der Bundesgerichtshof zu befassen. Er stellte klar: Maßgeblich sind allein die erforderlichen Kosten des tatsächlich angemieteten Fahrzeugs. Auch bei einem klassenniedrigeren Ersatzwagen bleibt der Geschädigte verpflichtet, den wirtschaftlichsten Tarif zu wählen.

Beitrag lesen
Experte-Gutachten-Sachverständiger-Bau-Werk
Bau- und Architektenrecht, Baurecht, Architektenrecht
24.07.2026

Bauherr als Handwerker: Architekt bleibt in der Verantwortung

OLG Schleswig: Architekt muss auch Eigenleistungen eines unerfahrenen Bauherrn planen und überwachen

Beitrag lesen
ring ehe familie
Familienrecht
24.07.2026

Wie oft darf der Ehename wechseln?

Mit der Reform des deutschen Namensrechts zum 1. Mai 2025 wollte der Gesetzgeber Ehepaaren mehr Freiheit bei der Wahl ihres Familiennamens verschaffen. Doch wie weit reicht diese neue Gestaltungsfreiheit? Darf ein Ehepaar nach dem Widerruf seines bisherigen Ehenamens anschließend noch einmal einen gemeinsamen Ehenamen bestimmen – und dabei sogar einen anderen als ursprünglich wählen? Diese bislang umstrittene Frage hat das Kammergericht Berlin nun zugunsten der Ehegatten beantwortet und sich damit bewusst gegen Entscheidungen anderer Oberlandesgerichte gestellt.

Beitrag lesen