Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

BGH stärkt Recht von Pflichtteilsberechtigten Auskunft über Nachlassumfang

Am 1. Dezember 2024 hat der Bundesgerichtshof (BGH) ein bedeutendes Urteil im Erbrecht gefällt (Az.: IV ZR 189/20), das die Rechte von Pflichtteilsberechtigten stärkt. Demnach sind Erben verpflichtet, eine eidesstattliche Versicherung über die Vollständigkeit und Richtigkeit des Nachlassverzeichnisses abzugeben, selbst wenn bereits ein notarielles Nachlassverzeichnis vorliegt.

Hintergrund des Urteils

Im vorliegenden Fall verlangte ein Pflichtteilsberechtigter von den Erben Auskunft über den Nachlassumfang. Die Erben legten daraufhin ein notarielles Nachlassverzeichnis vor. Der Pflichtteilsberechtigte zweifelte jedoch an dessen Vollständigkeit und forderte zusätzlich eine eidesstattliche Versicherung der Erben. Die Erben verweigerten dies mit der Begründung, das notarielle Verzeichnis sei ausreichend. Der Streit eskalierte und landete schließlich vor dem BGH.

Die Entscheidung des BGH

Der BGH entschied zugunsten des Pflichtteilsberechtigten. Er stellte klar, dass gemäß § 260 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) die Verpflichtung zur Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung besteht, wenn berechtigte Zweifel an der Vollständigkeit oder Richtigkeit des Nachlassverzeichnisses vorliegen. Dies gilt auch dann, wenn bereits ein notarielles Nachlassverzeichnis erstellt wurde. Der BGH betonte, dass das notarielle Verzeichnis zwar eine erhöhte Gewähr für die Richtigkeit bietet, jedoch nicht die Möglichkeit ausschließt, bei begründeten Zweifeln eine eidesstattliche Versicherung der Erben zu verlangen.

P raktische Auswirkungen

Dieses Urteil hat erhebliche Auswirkungen auf die Praxis:

  • Stärkung der Rechte von Pflichtteilsberechtigten: Sie können nun auch bei Vorlage eines notariellen Nachlassverzeichnisses eine eidesstattliche Versicherung der Erben fordern, wenn Zweifel an der Vollständigkeit bestehen.
  • Erhöhte Sorgfaltspflicht für Erben: Erben müssen bei der Erstellung des Nachlassverzeichnisses besonders sorgfältig vorgehen, da sie im Zweifel eine eidesstattliche Versicherung abgeben müssen.
  • Mehr Transparenz im Nachlassverfahren: Durch die Möglichkeit, eine eidesstattliche Versicherung zu verlangen, wird die Transparenz erhöht und das Vertrauen in die Richtigkeit der Nachlassaufstellung gestärkt.

Fazit

Das Urteil des BGH vom 1. Dezember 2024 schafft Klarheit im Umgang mit Nachlassverzeichnissen und stärkt die Position von Pflichtteilsberechtigten. Erben sollten sich der erhöhten Anforderungen bewusst sein und bei der Erstellung von Nachlassverzeichnissen größte Sorgfalt walten lassen, um mögliche rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen empfiehlt es sich, einen Spezialisten für Erbrecht zu konsultieren.

Alle Fachbeiträge zeigen

Internationales Recht
12.10.2026

Wer entscheidet, ob bei einem Geschäftsführer ein Interessenkonflikt vorliegt – und er die Versammlung verlassen muss? (NLD)

Nicht der Geschäftsführer selbst, so urteilte der Hoge Raad am 10. April 2026 im Getir-Fall. Diese Entscheidung obliegt seinen Kollegen oder den Aufsichtsorganen der Gesellschaft – und es liegt in deren Verantwortung, auch tatsächlich einzugreifen.

Beitrag lesen
Internationales Recht
12.10.2026

Niederländisches Parlament stimmt der Rechtsvermutung für Selbstständige zu: ein wichtiger Schritt, doch echte Klarheit steht noch aus

Die Debatte über Selbstständige und Scheinselbstständigkeit beschäftigt die Politik in Den Haag, Auftraggeber und Arbeitnehmer mittlerweile schon seit Jahren. In dieser Zeit sind zahlreiche Berichte erschienen, verschiedene Regierungen haben neue Gesetze angekündigt, und die Rechtsprechung hat wichtige Leitlinien für die Beurteilung von Arbeitsverhältnissen vorgegeben. Dennoch herrscht in der Praxis nach wie vor große Unsicherheit darüber, wann von einer selbstständigen Tätigkeit und wann von einem Arbeitsvertrag gesprochen werden kann. Mit der Zustimmung der Eerste Kamer zum Gesetz zur Einführung einer Rechtsvermutung für Arbeitsverträge auf Stundenlohnbasis wurde ein weiterer Schritt getan.

Beitrag lesen
Internationales Recht
12.10.2026

Komplett digitale Versammlungen: Das ändert sich (und warum Sie sich schon jetzt darauf vorbereiten sollten) (NLD)

Die Art und Weise, wie wir Versammlungen abhalten, verändert sich rasant. Während physische Zusammenkünfte lange Zeit die Norm waren, hat der Aufschwung digitaler Mittel neue Möglichkeiten eröffnet. In Kürze wird der (niederländische) Gesetzgeber einen wichtigen nächsten Schritt unternehmen: Es wird möglich sein, eine vollständig digitale Haupt- bzw. Gesellschafterversammlung abzuhalten. Was aber bedeutet das für Sie als Geschäftsführer oder Gesellschafter/Mitglied? Und wie können Sie schon jetzt klug darauf reagieren?

Beitrag lesen