Viele Kanzleien. Ein starkes Netzwerk.
Aktuelles
Neues aus Markt und Netzwerk
 

Verbraucherschutz Zur Laufzeit von Mobilfunkverträgen

Kaum hatte der Telekommunikationsanbieter Primacall mit Neukunden einen Mobilfunkvertrag abgeschlossen, schickte er ihnen ein Schreiben. Darin wurde den Neukunden eine Prämie von 20 Euro versprochen, wenn sie sofort ihren Vertrag über das vorgesehene Vertragsende hinaus um weitere 24 Monate verlängerten. Waren Neukunden mit dem Vorschlag einverstanden, waren sie an eine Vertragslaufzeit von insgesamt weit über 24 Monaten gebunden.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hielt dieses Vorgehen für unzulässig und klagte auf Unterlassung. Das Kammergericht Berlin gab den Verbraucherschützern Recht (23 UKI 1/24). Primacall verstoße damit gegen das Telekommunikationsgesetz (TKG). Das Unternehmen dürfe nicht kurz nach Abschluss eines Erstvertrags die Kunden mit einer Gutschrift dazu verlocken, den Vertrag um zwei Jahre zu verlängern.

Laut TKG haben Mobilfunkverträge prinzipiell eine Erstvertragslaufzeit von höchstens 24 Monaten. Erst nach Ablauf der Vertragslaufzeit kann sich der Handy-Vertrag automatisch auf unbegrenzte Zeit verlängern, dann gilt aber eine monatliche Kündigungsfrist. Wie die Verbraucherzentrale ging auch das Kammergericht davon aus, dass diese Regelung im TKG eine Vertragsverlängerung während der Erstvertragslaufzeit ausschließt. 

Dass die „anfängliche Mindestvertragslaufzeit“ gesetzlich begrenzt worden sei, diene dem Verbraucherschutz, so der Kommentar der Verbraucherzentrale. Den dürften Kommunikationsdienstleister nicht mit Lockangeboten umgehen. In der Rechtsprechung wird die Vertragsverlängerung während der Erstvertragslaufzeit bisher nicht einheitlich bewertet. Da Primacall gegen das Urteil des Kammergerichts Revision eingelegt hat, wird sich nun der Bundesgerichtshof mit dieser Frage befassen.

Quelle: Urteil des Kammergerichts Berlin vom 22.05.2024 – 23 UKI 1/24

Autor: Juristischer Pressedienst Dr. Graner

Alle Fachbeiträge zeigen

nachbar-haus-wohnung
Mietrecht
02.02.2026

Eigenbedarf für Hamburg-Besuche – Zweitwohnung für Familie und Kultur rechtfertigt Kündigung

Die Frage, unter welchen Voraussetzungen Vermieter wegen Eigenbedarfs kündigen dürfen, beschäftigt die Rechtsprechung seit Jahren. Besonders umstritten sind Fälle, in denen die Wohnung nicht als Hauptwohnsitz, sondern lediglich als Zweitwohnung genutzt werden soll. Mit Urteil vom 10. Juni 2025 (311 S 4/25) hat das Landgericht Hamburg klargestellt, dass auch eine solche Nutzung einen berechtigten Eigenbedarf begründen kann, wenn sie nachvollziehbar, lebensnah und ernsthaft beabsichtigt ist.

Beitrag lesen
Arbeitsrecht
02.02.2026

Überstundenzuschläge bei Teilzeit: BAG erklärt starre Wochenstundengrenzen für unzulässig

Die Vergütung von Mehrarbeit gehört zu den klassischen Streitfragen im Arbeitsrecht, insbesondere im Spannungsfeld zwischen tariflicher Gestaltungsmacht und dem gesetzlichen Diskriminierungsverbot. Mit Urteil vom 26. November 2025 (5 AZR 118/23) hat das Bundesarbeitsgericht eine tarifliche Regelung zu Überstundenzuschlägen beanstandet, die Teilzeitbeschäftigte strukturell benachteiligt. Die Entscheidung hat erhebliche Bedeutung für die Auslegung von Tarifverträgen und die Praxis der Arbeitszeitvergütung.

Beitrag lesen
Arbeit Bau Handwerk
Werkvertragsrecht
26.01.2026

„Wertlose Leistung“ – Geld zurück!

Bestreitet der Auftragnehmer jeden Mangel, verweigert er damit auch die Nachbesserung

Beitrag lesen